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AUF DER METALCOUCH (Legacy 55, Juni 2008)

Posted in - Auf der Metalcouch on Juni 6th 2008 0 Comments metal-couch

Auf der Metalcouch mit Mikis Wesensbitter

…sitzt heut jemand, den ich hier gar nicht haben möchte. Zuerst habe ich ihn gar nicht bemerkt. Ich hatte wie immer beflissen meine Gewichte gestemmt, meine 150 Liegestütze durchgezogen und mich mit einen kühlen Lapin Kulta auf die Couch gesetzt, als ich plötzlich ein fürchterliches Ziehen in meinem Rücken verspürt hatte. Ein Welle des Schmerzes durchfuhr meinen Körper, derart heftig, das ich das Bier nicht mehr festhalten konnte. Das gute finnische Getränk stürzte auf den Boden zu und mein panischer Rettungsversuch erzeugte nur eine neue Schmerzattacke. Hilflos und stöhnend fiel ich in die Polster zurück. Und vernahm neben mir eine fiese Fistelstimme: „Hihi. Das zwiebelt ordentlich, was Alter! Könnte fast ein Muskelfaserriss sein. Oder eine Blockierung der Brustwirbelsäule. Vielleicht ist es aber auch der SMS-Daumen. Voll die gemeine Trenderkrankung.“

Ich versuchte meinen Kopf zu drehen, aber das ging nicht. Das tat so weh. Irgendwie gelang es mir dann doch, und ich erblickte ein durchscheinendes, fast transparentes Wesen neben mir auf der Couch. Das Gesicht war alt, zerfurcht und häßlich. In den runzeligen Händen hielt das Geschöpf mein Lapin Kulta.

„Wer bist Du denn?“

„Ach Wesensbitter, du weißt doch, Namen sind Schall und Rauch. Nenn mich wie du willst. Denk dir irgendwas aus, Hauptsache es ist etwas ganz böses, hinterhältiges, gemeines. Nur Rumpelstilzchen darfst du mich nicht nennen!“

„Rumpelstilzchen war gar nicht böse.“ entfuhr es mir, denn bei Märchen hörte der Spass eindeutig auf, selbst unter Schmerzen!

„Klar war der böse, der war ständig am Bierbrauen und davon natürlich besoffen. Und wenn er keine Lust zum Brauen hatte, dann hat er eben Stroh zu Gold gesponnen und ist ins Wirtshaus saufen gegangen. Und rumgehurt hat der, das war echt nicht mehr feierlich. Ständig Prügeleien und Ruhestörungen, doch der war auf jeden Fall böse!“

Ich hatte keine Kraft mich über Märchenfiguren zu streiten, ich war völlig verwirrt. Was war das neben mir? Und hatte das etwas mit meinen Schmerzen zu tun? Und warum trank das mein Bier? Und warum fragte mich das, wo es noch mehr Bier finden konnte?

„Weil ich durstig bin Alter. Dir ist doch klar, dass ich Gedanken lesen kann. Und du weisst auch, dass ich ganz genau weiss, was du in deinem Kühlschrank alles für Leckerlis gebunkert hast.“ zischelte das Monster und schwebte in Richtung Küche. Wenig später tauchte es mit meinem gesamten Bierheiligtümern in den Händen wieder auf. „Die sauf ich jetzt alle sinnlos in mich rein. Und danach zieh ich die Nadel wieder aus deinem Schmerzzentrum raus und verschwinde. Versprochen!“

Und so kauere ich bewegungsunfähig auf der Metalcouch und muß zusehen, wie ein Unding, eine Parasit, meine Heiligtümer vernichtet.

Das ist wirklich ein trauriger Abend, aber was bleibt mir anderes übrig, als zu hoffen, das er nach getaner Arbeit sein Versprechen erfüllt.

Mögen der Sommer Euch schillernde Erlebnisse bringen, wenn ihr in klare tiefe Seen taucht, am Lagerfeuer den Glanz der Flammen bewundert und in überhitzten Festivalnächten nach den Sternen greift. Vor allem aber mögen die Brauereien Eures Herzen von emotionalen Flächenbränden verschont bleiben.

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