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Reise durch die Zeit: Meine erste Auswärtsfahrt mit Union

Posted in - Bier & Bücher & Entertainment on März 20th 2020 0 Comments Union auswärts

Mein erstes Auswärtspiel mit Union war am 02. April 1983. Und natürlich gibt es dazu eine Geschichte!

 

“Frau Drescher, Frau Drescher mir gehts nicht gut! Ich muss ganz dringend aufs Clo!”

“Jugendfreund Kai beruhige dich mal! Wenn du die Aufgabe gelöst hast und die sieben Vorzüge des sozialistischen Friedensplans gegen den NATO-Doppel-Beschluss auf deinem Blatt stehen, dann darfst du auch auf die Toilette gehen.“ antwortet die Lehrerin und genau in diesem Moment ließ Kai den ersten Furz fahren. Was heißt Furz, es war ein Donnerhall.

Offiziersbewerber Matthias warf sich auf den Boden und brüllte: „Atomalarm!“

„Quatsch! Das ist ein Giftgasangriff!“ schrie Maik, der Pilot werden wollte, und sich in Zivilverteidigung auskannte.

Im Klassenraum herrschte Chaos, manche versteckten sich unter den Bänken, wie Matthias es vormachte, und legten sich die Schulmappen über den Kopf. Andere warfen ihre Köpfe auf den Tisch und hielten sich die Nase mit einem Taschentuch zu. Der dicke Wenzel biss noch mal von seinem Schnitzelbrötchen ab, und ich musste mir das Grinsen verkneifen. Es lief alles nach Plan.

Die Drescher stand an ihrem Lehrertisch und ruderte hilflos mit ihren Armen: „Ruhe Kinder! Der Klassenfeind wird es nicht wagen, unser Land zu überfallen! Der Sozialismus ist gewappnet…“

Und da furzte Kai das nächste mal und diesmal ließ selbst der dicke Wenzel sein Brötchen fallen und warf sich auf die Erde.

„Himmelherrgott! Mikis bring diesen Kai sofort nach Hause, bevor hier noch der Putz von der Decke fällt!“ kreischte die Drescher, während bei Kai jetzt ein Furzgewitter einsetzte, eine regelrechte Stalinorgel der Darmstürme.

Ich sprang auf, packte Kai und zog ihn aus dem Klassentraum. Auf dem Gang schoß er noch ein paar Salven ab und dann waren wir vor dem Schulgebäude.

„Alter, ich dachte das geht nie los!“ stöhnte Kai. „Da fress ich zehn Zwiebeln zum Frühstück und nix passiert!“

„War doch ne Punktlandung! Sind super in der Zeit! Kippe?“

Kai schaute skeptisch auf die Schachtel in meiner Hand.

„Semper? Echt? Willst du einen Sachsen aus mir machen?“

„Die dicke Binder war wieder im Laden, wollte mir keine anderen Kippen verkaufen. Rauch, oder rauch nicht!“

Kai nahm eine Zigarette. Er drehte sie unentschlossen zwischen seinen Fingern, bevor er sie anzündete. Als er daran zog, furzte er wie der Waldesel und hustetet: „Wenn ich davon Chemie Leipzig-Fan werde, musst du mich umbringen! Versprich mir das!“

„Klar Alter! Ich schubs dich aus der Bahn, wenn du ein schwuler Chemiker wirst!“

Wir fuhren mit der 10.24 Uhr Bahn ab Oberspree, holten in Schöneweide unseren Rucksack aus dem Schließfach, den wir gestern dort deponiert hatten und zogen uns auf dem Bahnhofsclo um. Unsere neuen schwarzen Jacken, Unionschals. Die Schulsachen kamen ins Schließfach, die Flasche „Apfelkorn“ passte super in meine Jacke. Jetzt mussten wir nach Karlshorst und von da aus mit dem „Sputnik“ nach Frankfurt.

 

Unser erstes Auswärts-Spiel! Der dicke Wenzel konnte nicht mitkommen, weil seine Mutter Angst hatte, das er bei der langen Fahrt verhungert. Manuela konnte nicht mitkommen, weil sie seit drei Monaten mit BFC-Svene aus der 10 B rummachte und deshalb nicht mehr zu uns gehörte. Und wir konnten eigentlich gar nicht fahren, weil wir bis 12:00 Uhr Unterricht hatten. Deshalb die Idee mit den Zwiebeln. Meiner Mutter hatte ich erzählt, das ich gleich nach der Schule mit Kai zum Subotnik in der Kleingartenanlage „Waldland“ gehe. Sie hatte mir versprochen, das sie den Tempolinsen-Eintopf für mich aufhebt.

Der Zug in Karlshorst war voll, nur in der ersten Klasse waren noch Plätze im Abteil frei. Sah zumindest so aus, die Türen waren total beschlagen.

Kai zog die Tür auf und blauer Dampf schlug uns entgegen.

„Los kommt rin und macht die Tür wieder zu! Wir rochen ja hier nicht für die Katz, sondern für die schöne Atmosphäre.“

Die Stimme kam mir bekannt vor.

„Eisern!“ sagte Kai, und tastete sich zum Sitz.

„Eisern! Ey euch kenn ick doch, ihr seid doch die Timurhelfer von der Mittellinie. Ick bins, Jochen Dreikorn. Alt-Unioner und Sporttrinker. Und mir gegenüber sitzt Willy, Kollege und Kampftrinker!“

„Tach Jochen! Tach Willy“ sagte ich.

Als der Zug anfuhr, zündeten wir uns auch eine Zigarette an und ich reichte Willy den Apfelkorn durch den Nebel. Er trank, rülpste und sprang auf.

„Bääääh, is dit Dynamolimo? Wer säuft denn so wat? Wismut Aue Fans, oder die Bördepisser aus Magdeburch?“

Er riss das Fenster auf und schmiss die Flasche raus. Das dauerte nur ein paar Augenblicke, aber das reichte, damit der Rauch abzog und wir wieder klar sehen konnten.

Jochen sah aus wie immer, Willy sah aus wie Reinhard Lakomy, nur mit Stirnglatze und Kutte. Kai sah aus, als wenn er jeden Moment auf Willy losgehen würde. Die Pulle hatte er gestern in der Konsumkaufhalle geklaut, und wäre beinahe erwischt worden. Sie war echt hart verdient!

„Man Willy, du kannst doch nicht einfach den Suff vom Nachwuchs wegschmeißen. Wie sollen die sich denn dabei fühlen? Entschuldige dich wenigsten!“

„Jut, tut mir leid, hab mir erschrocken über den Jeschmack. Dachte ihr wollt mir vajiften!“

„Na bloß jut, das wir einjekooft haben.“ sagte Jochen. Es klapperte und polterte, als er unter seinem Sitz ein Einkaufnetz voll mit Berliner Pilsner hervorholte.

Jeder bekam eine Flasche und wir stießen an.

„Letzte Woche bin ick Samstach in die Koofhalle. Allet Bier ausverkooft, dit einzige wat noch da war, war „AuBi“. Naja, kannte ick nich und hab nen Kasten jekooft. Wie ick mir zu Hause dit erste uffmache, denk ick, der Braumeister hat da rinjepisst. Konnste nich trinken. Denn les ick, uffm Etikett, dit is alkoholfreijet Bier. Wat ne Scheiße! Hab ick improvisiert. 3 Viertel Bier, 1 Viertel Goldbrand. Denn hat dit jut geschmeckt. Bei „Sport aktuell“ war ick denn so hacke, det ick glatt allet vapasst hab. Und meene Jutta hat mir drei mal durchjenudelt, ohne det ick wat jemerkt hab. Die meinte, dit jibt jetzt öfter „AuBi“. Kann se vajessen. Den Mist will ick nich mehr im Haus haben.“

Willy holte aus seiner Kutte eine Flasche Schilkin Wodka.

Da bremste der Zug und plötzlich krachte und schepperte es.

„Ah! Fürstenwalde! Glaskonzert! Endlich!“ rief Jochen, riss das Fenster auf und feuerte seine Bierflasche raus. Wir stürzten auch zum Fenster. Es war ein geiles Bild. Überall auf dem Bahnsteig schlugen Flaschen ein, es klirrte, krachte und splitterte. Und die Bahn-Bullen die Aufstellung genommen hatten, rannten panisch weg.

„Sieg! Sieg! Sieg!“ schallte es aus allen Fenstern und Türen.

Dann erzählte Willy, das er einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Weil es ihm reichte, mit dem Scheißleben in der Zone und den ganzen Kommu-Schweinen. Außerdem wolle er endlich zu Hertha gehen.

„Hertha? Kenn ick nich. Is dit ne Band, oder ne Frau?“ fragte ich.

„Hä? Spinnste oder wat? Hertha BSC! 1. Bundesliga!“

„Kenn ick ja trotzdem nich!“

„Weil de n blödet Assikind bist!“

Kurz vor Frankfurt, war das Einkaufsnetz leer. Jochen und Willy hatten die Schnapspulle ausgesoffen und Willy war eingeschlafen.

„Den Vogel lassen wir sitzen! Der hat Tripper. Nich nur am Pimmel, sondern och im Kopp! Außadem is der ja keen richtiger Unioner!“ bestimmte Jochen, schnappte sich seine große Reisetasche und scheuchte uns auf den Gang.

„Wartet mal“ sagte Kai. Er zog Willys Schnürsenkel auf und verknotete sie über Kreuz.

„Dit hat der blöde Wixer verdient. Von wegen Assi-Kinder!“

„So, und jetze janz entspannt Jungs! Die ticken hier anders. Sind eben Volksarmee-Bauern. Nich provozieren lassen!“ flüsterte er als wir ausstiegen.

Der Bahnsteig war abgesperrt, Militärpolizei und Schäferhunde standen Spalier, ich kam mir vor wie im Kriegsfilm. Natürlich waren genug besoffene Unioner unterwegs, die direkt da reinstolperten. Hundegebell, Gummiknüppel, Schreie. Jochen dirigierte uns durch die Unterführung, durch drei Nebenstrassen und besorgte uns in der „Sportklause“ noch ne Bockwurst.

„Ick hab noch wat zu erledigen. Ihr jeht einfach jeradeaus. Dann kommt ihr am Eingang zum Union Block an. Wir treffen uns dort, oder nachher bei der Rückfahrt. Eisern ihr Timurhelfer!“

„Eisern Jochen!“

 

Im Stadion war es wie im Knast. Zäune, Gitter und hinter uns eine halbe Armee von hässlichen Soldaten mit Knüppel und ihren Kötern.

Wir kriegten schon in der 13 Minute das erste Tor reingeballert, was der Stimmung nicht gut tat

Neben uns schrie ein Besoffener, mit Quakstimme ununterbrochen: „V/F-otzen Frankfurt“. Das nervte irgendwann.

„Schreibst du Votze mit F oder V?“ fragte ich ihn. Die selbe Frage hatte ich nämlich am Mittwoch im Deutschunterricht der Drescher gestellt. Dafür hatte sie mich rausgeschmissen und ich musste im Gang sitzen und im Duden recherchieren.

„Mit F natürlich, wie Frankfurt. Is doch voll klar.“ lallte der Penner. Danach hatte er keine Lust mehr weiterzubrüllen.

Dann fiel kurz vor der Pause das 2:0 und irgendwie war klar, das wir das heute nicht mehr umdrehen würden. Kai war verschwunden, und der V/F-Otzen Mann war so breit, das er sich an mir festhalten musste. „Ick muss pissen! Schaff dit aber nich mehr uffs Clo. Viel zu weit weg! Und viel zu breit“

Was sollte ich ihm darauf antworten? „Na Piss doch einfach durch den Zaun, uff die Frankfurt-Fotzen!“

Das machte er. Fanden die überhaupt nicht gut.

Die zweite Halbzeit war langweilig und soviel „Eisern Union“ wir auch brüllten, es passierte nichts auf dem Spielfeld. Kai kam wieder und war so blass, wie ein Schneemann.

„Was mit dir los?“ fragte ich ihn.

„Zum ersten Mal richtig geknutscht!“ stotterte er.

„Hä? Und warum siehste dann aus wie ne Leiche?“

„Erzähl ick später. Mir is oll! Können wir bitte gehen?“

„Pfff, naja hier passiert ja nix mehr!“

Als wir durch den Stadioneingang gehen wollten, stellte sich ein fettes Armee-Schwein in den Weg.

„Klassenfeinde! Mit Jacken aus dem NSW!“

„NSW? Wat is dit denn?“ fragte Kai.

„Genosse Unter-Soldat! Wir sind minderjährig, haben unsere Erziehungsberechtigten verloren und fangen jetzt gleich an zu heulen vor Verzweiflung! Und dann schreiben wir an die „Frösi“. Oder an „Aussenseiter-Spitzenreiter“, wenn sie uns nicht helfen unsere Eltern zu finden!“ sagte ich.

„Und außerdem ist mein Onkel Militärstaatsanwalt! Der wird sich ja freuen, wenn ich dem erzähle was hier passiert ist!“ meinte Kai.

Das Armeeschwein, blickte uns verblüfft an und ging aus dem Weg. Wir machten das wir wegkamen.

 

„Dein Onkel ist Militärstaatsanwalt?“ fragte ich Kai.

„Nö, aber der vom bekloppten Piloten-Maik. Hat ja jut funktioniert!“

In der Sportklause versuchten wir zwei Bier zu kriegen. Der Kneiper guckte uns herablassen an. „Fahrt mal nach Hause. Für Union-Votzen gibts hier nix.“

„Schreiben sie Votze mit „V“ wie Vogelsdorf, oder „F“ wie Frankfurt?“

Er stutzte kurz, musste lachen und sagte: „Dit is ne geile Frage! Dafür gibt‘s ein Bier. Könnt ihr euch teilen.“

Er gab uns eine Flasche, wollte kein Geld dafür und sagte: „Und damit das klar ist! Im Osten wird dit mit „V“ geschrieben!“

Da wir ja schon vorm Spielschluss abgehauen waren, war der Bahnsteig noch relativ leer und wir fanden ohne Probleme einen Platz im Abteil.

„So und jetzt erzähl mir, was los war!“ forderte ich von Kai.

„Nüscht!“

„Doch!“

„Wehe du erzählst dit weiter“

„Niemals!“

„Jut. Also. Ick bin los weil ick pissen musste und Brause holen wollte. Da steht so ne Rothaarige. Die hatte schon Titten. War aber bestimmt erst unser Alter. Grinst mich an. Ich grinse zurück. „Haste nen Steifen?“ fragt sie. „Wenn ick dich sehe sofort!“ hab ick jesagt. „Los dann lass uns knutschen!“

Und als wir hinterm Getränkestand stehen und knutschen, pustet die mir auf einmal volle Kanne ihren Kaugummi in den Mund. Ick war total erschrocken und bin fast daran erstickt. „Kannst deinen Steifen behalten!“ hat sie dann gesagt und ist abgehauen! Ich glaub ich will keine Weiber mehr küssen. Nie wieder!“

Die Abteiltür flog auf, und Jochen stand im Gang und grinste. „Meine Timurhelfer! Wußte ichs doch!“

Er war total dicht und wir musste ihm helfen, durch die Tür zu kommen.

Dann ließ er sich auf den Sitz fallen, atmete laut aus und sagte: „Scheiß Spiel! Aber gutes Ergebnis für mich! Los lasst uns erst mal eine rauchen.“

Als die Zigaretten brannten, holte er Bier aus der Tasche. Das Etikett war rot, mit Hammer und Sichel drauf.

„Is dit etwa Russenbier?“ fragte Kai

„Kannste ruhig trinken. Is Deutsche Pilsner, wird nur extra für die Russen abgefüllt. Ick hab nen sowjetischen Freund in Frankfurt, mit dem ick Handel treibe. Froms, Faustan und Rosa Extra gegen dit hier.“

Er kippte seine Taschen aus. Drei ungarische Salami, sechs Büchsen Ölsardinen, zwei Flaschen Wodka, vier Dosen Ananas, zehn Bier…

„Weckt ihr mich mal Karlshorst? Ich gloob ick muss erst mal ne Runden abrüsseln!“ er hatte das noch nicht mal richtig ausgesprochen, da schnarchte er auch schon wie ein Waldesel.

Wir hatten Mühe ihn wachzukriegen und fuhren noch zusammen mit der S-Bahn bis Ostkreuz.

„Machts jut, ihr Pimpfe! Wir sehen uns im Stadion. Hier habt ihr noch n Heimwegbier.“

„Der hat echt nen Knall, aber fetzt trotzdem, das wir den kennen!“ stellte Kai fest.

 

In Schöneweide holten wir unsere Schulsachen aus dem Schließfach. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl und meinte: „Lass mal die Schals einpacken!“

Kai sah mich verwundert an, zuckte die Schultern und packte seinen Schal auch in die Tasche. Weil die Bahn nicht fuhr, gingen wir zum 65er Bus. Die Bushaltestelle war komplett zerstört, die Sitzbänke waren rausgerissen und das Schild stand auf halb 8. Und davor standen BFC-Svene und vier seiner bekloppten Kumpels. Alle in voller Montur, mit Schal und Weste. Und alle breit. Scheiße! Und es war zu spät um abzuhauen, denn Svene brüllte „Ey kieckt ma, die Union-Spastis haben sich heute als Menschen verkleidet!“ und zeigte mit dem Finger auf uns.

„Wat dit sind Union-Wixer? Die brauchen ma richtig uffs Maul, damit sie wissen, wat der einzig richtige Berliner Fußball Klub ist!“ kreischte ein Fettsack, der eine Flasche Klosterbruder in der Hand hielt.

„Aber geile Jacken ham die. Passen mir zwar nich, aber die hol ick mir!“ beschloss der größte und widerlichste Idiot. Und kam auf uns zu. Seine Idiotenfreunde kamen hinterher.

Tja unsere Jacken… Kais Mutter arbeitet in der Jugendmode und immer wenn es was Gutes gab, kaufte sie das gleich zweimal. So wie die Jacken. Schwarz, gefüttert und irgendwie im Bomberjackenstil. Meine Omi hatte uns dann drei weiße Streifen auf die Ärmel genäht, und seitdem wollte die uns ständig jemand abkaufen. Naja und jetzt abziehen. Während ich mich innerlich schon von der Jacke verabschiedete, stellte Kai sich hin und brüllte den an: „Ick hab Russenbier gesoffen, ick hab Semper geraucht. Dit reicht mir für heute. Verpiss dich, oder ick reiß dir die Eier ab!“

Der bekloppte BFCer stutze kurz und lachte dann schallend: „Du hast Mut Piepel! Deine Jacke hol ick mit trotzdem. Und vorher gibts noch Extra auf die Fresse!“

Und dann holte er aus und wollte seine Faust fliegen lassen, als eine Trillerpfeife ertönte.

„Guten Abend Jugendfreunde. Wachtmeister Schädlich! Das entspricht nun so gar nicht den Leitlinien unserer Sportgemeinschaft Dynamo, sich an Jüngeren und Schwächeren zu vergreifen! Und vor allen Volkseigentum zu beschädigen!“

Verdutzt blickte der Idiot den Vopo an, der plötzlich aufgetaucht war.

„Wat willst denn du, blöder Bulle?“ fragte er. Und hatte noch gar nicht richtig zu Ende gesprochen, als Schädlich ihn mit einem Tritt in die Eier schachmatt setzte. Mit Blaulicht und Sirenen kamen zwei Barkase angerauscht und es dauerte nur ein paar Minuten, bis die BFCer mit Handschellen und ein paar Tritten in die Autos verfrachtet waren. Svene heulte, die dumme Sau würde zu Hause ordentlich Dresche kriegen von seinem Stasi-Vater.

„Na dann, gute Heimfahrt Sportsfreunde!“ sagte Wachtmeister Schädlich und salutierte, bevor er in den B1000 stieg.

Kai und ich umarmten uns so lange, bis der Bus kam. Wir brauchten einfach Halt nach dieser Aktion.

„Boah Alter, ich dachte echt jetzt ist alles vorbei!“ flüsterte ich.

„Ich hab mich schon von meinen Schneidezähnen verabschiedet. Das nächste Mal nehmen wir auf jeden Fall wieder den dicken Schwabel mit! Den schubsen wir dann einfach auf die Wixer rauf und der erdrückt die mit seinen Fettmassen!“

Zu Hause bekam ich von meiner Mutter eine geklatscht. Weil ich nach Alkohol und Zigaretten stank. Und ich musste ohne Tempo-Linsen-Abendbrot ins Bett. Mir war das egal. Ich hatte noch ein Schnitzelbrötchen vom dicken Wenzel im Rucksack und ich war zum ersten Mal mit Union auswärts gewesen!

Jetzt war ich ein echter Unioner!

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