Entertainment

Wir hatten ja nüscht im Osten… Besuch in Freiberg/Saxen

Posted in - Bücher & Entertainment on April 16th 2016 0 Comments Das Copyright liegt bei BerlinFotografin Jana Farley! Eine Veröffentlichung darf nur nach Absprache und Erlaubnis erfolgen!

Eine meiner absoluten Lieblings-Vorlese-Passagen aus dem Buch. Und passt gerade wunderbar zum Datum!

Sonnabend 15.04.1989
Packe meine Sachen, überprüfe drei Mal, ob wirklich alles belastende Material aus der Wohnung verschwunden ist, aktiviere meine Sicherheitssysteme und dann geh ich zum Bahnhof. Ich hab eine Woche Urlaub. Die hätte ich gut mit Anne verbringen können, aber auf die Nummer hab ich keinen Bock. Da fahr ich lieber zu Omi nach Freiberg, das wird entspannter. Fahr mit dem Vindobona, such mir einen Platz im Raucherabteil und hol mir im Speisewagen zwei Budweiser und eine Schachtel Sparta. Ist teuer, aber fühlt sich, wie große weite Welt an.
In Dresden eine Stunde Aufenthalt. Die geht schnell rum und 15.00 Uhr bin ich in Freiberg. Omi freut sich. Es gibt Apfelkuchen zum Kaffee und Beefsteak zum Abendbrot. Später schauen wir uns Ein Kessel Buntes an. Omi hat Spaß, ich tu so, als wenn ich welchen hätte. Bei C. C. Catch geh ich aufs Außenplumpsklo. Richtig kacken.

Sonntag 16.04.1989
Omi hat Geburtstag und ich lade sie zum Essen in die Fischgaststätte ein. Sie freut sich und es schmeckt lecker Sie erzählt vom Westen. Im März war sie ja wieder bei ihrem Bruder in Karlsruhe. „Wenn die hier sind, tun sie immer so weltmännisch. Aber solltest mal sehen, wie die einkaufen. Die billigste Wurst, den billigsten Käse und immer drauf bedacht, ein paar Pfeng zu sparen. Die Heizung bleibt aus, da kann man ja auch noch was sparen. So würd ich nich’ leben wollen. Da renn ich lieber durch die ganze Stadt, um Rouladen zu kriegen.“
Wir gehen noch ins Café Hartmann. Omi sagt, hier gibt es die beste Freiberger Eierschecke. Schon immer. Omi widerspricht man nicht. Erst recht nicht an ihrem Geburstag. Ich geb zur Eierschecke noch ne Runde Eierlikör im Schokobecher aus. Das muss sein.

Montag 17.04.1989
Ich schlaf bis zum Mittag. Omi hat saure Eier gekocht. Danach machen wir einen Stadtbummel. Freiberg ist kaputt. Die Stadtmauer bröckelt, die alten Häuser stehen schief, aber gerade das macht alles so charmant. Sie erzählt mir, welche Geschäfte früher hier waren und wie gemütlich es mal war. Natürlich landen wir wieder im Café Hartmann und bestellen wieder Freiberger Eierschecke. Ich nehm mir vor, eine Freiberger-Eierschecke-Testreihe zu starten.
Abends kommt Die Drei von der Tankstelle mit Heinz Rühmann. Sehr schön. Omi geht schlafen und ich schreibe Briefe. In Sachsen schreibe ich immer die besten Briefe. Weiß auch nicht warum. Anne kriegt auch einen.
Mir selber schreib ich auch einen, naja eigentlich nicht mir, sondern der Stasi. Damit die auch im Briefkasten was finden können, was sie verwirrt.
Hallo Mikis!
Du bist echt ein Pfundskerl. So wie du hat es noch keiner geschafft, mich glücklich zu machen. Deine politischen Ansichten teile ich zwar überhaupt nicht, ich finde deine Liebe zu diesem Drecksstaat total übertrieben, aber wir müssen ja beim nächsten Treffen nicht über Politik reden. Wir sollten es lieber wieder hemmungslos miteinander treiben. Ich stelle mir vor, wie ich dich in die Badewanne setze und dir weiter Wasser auf dem Ofen warm mache. Du willst, dass ich mich ausziehe und dir das warme Wasser nackt eingieße … Wenn ich morgen früh wieder am Fließband stehe und Alu-Besteck kontrolliere, dann werde ich nur an dich denken.
Komm bald wieder.
Deine Helga!

Dienstag 18.04.
Omi macht Grüne Glitscher zum Mittag, die sind so was von lecker, dass ich nicht genug kriegen kann. Sie ist nachmittags mit ihren Freundinnen im Café verabredet.
Abends kommt Lars vorbei. Mein Großcousin, oder Groß-Großcousin, das wissen wir beide nicht so richtig. Aber was ich weiß, ist, dass Lars das schlimmste Sächsisch spricht, das es auf der Welt gibt. „Gommste om Freidog mid ins Diwoli?“
„Wohin?“
„Ins Diwoli!“
„Kenn ich nich’!“
„Du gennst das Diwoli nich’? Da wo die Buhdies ihrn erschten Ufftritt had’n?“
„Wer?“
„Die Buhdies!“
Ich versteh, was er sagt, aber es macht mir auch Spaß, ihn zu ärgern, deshalb stell ich mich blöd. „Du meinst Berluc? Die Rocker von der Küste?“
„Nee, ich mein die Buhdies. Ald wie äh Bohm. Bist du bleede?“
„Ach so, die Puhdys. Sag das doch gleich!“
Wir verabreden uns für morgen zum Biertrinken. Er will mir zeigen, wo man in Freiberg so rischtich sudln gehn gan. Na da bin ich ja gespannt.

wirhatten800web

Wie es weitergeht, und wo man in Freiberg „rischtich sudln gehn gan“  steht im Buch „Wir hatten ja nüscht im Osten…nich‘ ma Spaß!“ Jederzeit gerne und unkompliziert bei mir bestellbar. Einfach eine Mail an: mikis (at) raum-e.com

Comments are closed.